Fotoserie "Heim"

Moira Mangione, Künstlerin aus Aarau, ist nach Oliver Lang, Sarah Keller und Luca Schaffer, die vierte regionale Fotografin, die wir gebeten haben, die Publikationen des Theater Tuchlaube Aarau zu gestalten. Ihre Fotoserie orientiert sich an dem Spielzeitthema „Heim“, dass in der Saison 2017/18 im Vordergrund unseres Programms steht.

Heim

Gedanken zu Heim von Peter-Jakob Kelting

Moira Mangione hat Menschen aufgesucht und porträtiert, die ein ungewöhnliches Zuhause haben, sei es temporär oder dauerhaft. Eine in den Fels gesprengte Höhle, Jurte, Tipi oder Baumhaus, ein ganzjährig bewohnter Wohnwagen, ein Zirkuszelt, ein Fischerboot oder gar der Wald unter freiem Himmel – dies sind die Orte, an denen sich die Menschen, denen die Fotografin begegnete, heimisch fühlen. Die Bilder strahlen einen ungewöhnlichen Frieden aus, was auch daher rührt, dass die Menschen mit ihrer Umgebung zu verschmelzen scheinen und in ihr aufgehen.
Und doch sind die Fotos irritierend. Denn die Behausungen sind flüchtig, mobil, und oft hat es den Anschein, als seien ihre Bewohner*innen auf dem Sprung, jederzeit bereit, die Zelte buchstäblich abzubrechen und zu einem Schatten zu werden, von dem nichts bleibt als die Erinnerung, um irgendwo ein neues, ebenso flüchtiges Dasein zu führen. Und dann fällt auf, dass – bei allem Eins-Sein mit sich und ihrer Umwelt – allein sind. Ein Zuhause haben: Das meint in den meisten Fällen, sich zugehörig fühlen, und das wiederum bedeutet in den allermeisten Fällen, sich einer Gemeinschaft verbunden fühlen. Die Menschen auf Moiras Bildern strahlen etwas aus, dem noch eine andere Qualität innewohnt: Sie sind sich selbst zugehörig, und dem Ort, den sie sich selbst geschaffen haben, unabhängig davon, wo sie verortet sind. Der Publizist Daniel Schreiber schreibt in seinem Buch „Zuhause“: „Sich ein Zuhause zu suchen bedeutet, einen Ort in der Welt zu finden, an dem wir ankommen – und dieser Ort wird zuallererst ein innerer Ort sein, ein Ort, den wir uns erarbeiten müssen.“