Ein Füllhorn des Theaters

Schauspiel, Tanz, Zirkus, Musiktheater, Jugend Theater Festival: Das Programm der Sommersaison 2016 breitet die ganze Palette der Darstellenden Künste aus. Neben Inszenierungen regionaler Theaterschaffender beleben spektakuläre internationale Gastspiele die Alte Reithalle im Apfelhausenweg 20. Und auch die Bar im Stall, während der Sommermonate ein Hotspot des Aarauer Nachtlebens, öffnet wieder ihre Pforte für Darbietungen und Aktionen aller Art.
Theater Marie eröffnet die Sommersaison 2016 mit einem unsterblichen Volksstück: „Liliom“ von Franz Molnár, neu übersetzt von Joël László, erzählt die Geschichte eines eingefleischten Hallodri, der sich und seine Mitmenschen ins Unglück stürzt. Theater Marie erzählt die ‚Vorstadtlegende’ als ein Singspiel, das an den Abgründen und Scharnieren von Liedern angetrieben wird. Molnárs Menschen kämpfen mit ihrem ungestümen Lebenshunger, während das gesellschaftliche Umfeld von ihnen Pragmatismus und Sittlichkeit fordert (21. Mai – 4. Juni 2016).
Tabea Martin gehört zu den aufstrebenden jungen Choreografinnen der Schweiz. In ihrem Doppelabend „Field / Duet for Two Dancers“ zeigt sie den Menschen in seiner verletzlichen Schönheit. Bei aller Ernsthaftigkeit strahlen die Choreografien von Tabea Martin eine übersprühende Spiel- und Lebensfreude aus. Sie entwickelt mit ihren Tänzerinnen und Tänzern eine Körpersprache, die sich dem Publikum unmittelbar erschliesst und die ein verschmitzter Humor voller Selbstironie auszeichnet (8./9. Juni 2016).
Wie schon im vergangenen Jahr präsentiert cirqu’Aarau und der Künstlerische Leiter Roman Müller unter dem Titel cirqu’5 herausragende Produktionen des zeitgenössischen Zirkus (17. – 25. Juni 2016. „Sur la route...“ der französischen Gruppe Les Colporteurs zeigt den Artisten Antoine Rigot, der es mit seiner Partnerin Sanja Kosonen vom Rollstuhl wieder auf die Bühne geschafft hat. Äusserst berührend und eindrücklich präsentiert sich diese neuartige Schönheit der Bewegung, die dem Schicksal abgetrotzt wurde und nur im Teamwork möglich ist.
Jani Nuutinen bringt in „Un cirque plus juste“ und „Une séance peu ordinaire“ seine ganz eigene Art des Zirkus mit: Der Finne ist ein Magier, ein Geschichtenerzähler, der aus dem Kontakt mit dem Publikum die Funken schlägt, die es gänzlich in Bann halten. Er zündet ein kleines, überaus eindrucksvolles magisches Feuerwerk und schlichte Aktionen, die auf wundersame Weise poetisch und im wahrsten Sinne des Wortes bezaubernd sind.
Jonglage, Ballett und ein klassisches Streichorchester: Die englische Gruppe Gandini Juggling verbindet in „4x4 ephemeral architectures“ auf bestechende Weise Genres, die auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben. Das verbindende Element ist unter anderem die klassische Musik, live gespielt von Musikern des argovia philharmonic. Das Resultat besticht durch elegante Präzision und eine wunderbare Leichtigkeit. Ein Abend des Festivals ist für Schweizer Nachwuchsartistinnen und –artisten reserviert; sie zeigen einen Auschnitt aus ihrem aktuellen Schaffen, roh und experimentiell. Im Rahmenprogramm geben Bella & Schröder ein wunderbar schräges Konzert.
Nach den Sommerferien geht es Schlag auf Schlag weiter. Das Aargauer Symphonieorchester argovia philharmonic und Astride Schlaefli von der Gruppe collectif barbare aus Küttigen/AG realisieren Igor Stravinskys und Charles Ramuz’ „L’Histoire du soldat – Die Geschichte vom Soldaten“. Dieses Schlüsselwerk des Musiktheaters des frühen 20. Jahrhunderts kommt in einer aussergewöhnlichen, auf den Raum der Reithalle bezogenen Inszenierung zur Aufführung, bei der eine Gruppe von Jugendlichen alle Rollen übernimmt. Die musikalische Leitung übernimmt Douglas Bostock, der Chefdirigent von argovia philharmonic (20. – 28. August 2016).
Die Gruppe freaks und fremde aus Dresden/D feiert international Erfolge für ihre hochenergetische Mischung aus Tanz, Schauspiel, Figuren- und Musiktheater. In Aarau zeigen sie ihr Stück „Songs for Bulgakow“, eine Hommage an den russischen Dichter Michail Bulgakow und ein Plädoyer für unangepasste Lebensfreude auch in Zeiten der repression und Unterdrückung (2./3. September 2016).
Das Jugend Theater Festival Schweiz ist bereits nach zwei Ausgaben zu einem festen Bestandteil der Sommersaison geworden. Zurzeit wählt eine Fachjury unter 30 Bewerbungen die sieben Inszenierungen aus, die sich in Aarau in der Alten Reithalle und im Theater Tuchlaube präsentieren dürfen. An fünf Tagen gibt es Theater von Jugendlichen für Jugendliche auf höchstem Niveau zu bestaunen (7. – 12. September 2016). Den Abschluss der sommerlichen Theatersaison bildet dann die international renommierte Badener Gruppe Flamencos en route. In „Ritual & Secreto“ verbinden die Choreografin Brigitta Luisa Merki und ihr hochkarätiges Ensemble von Tänzern, Sängern und Musikern die Wurzeln des Flamenco mit neuen Einflüssen. Merki vertraut in ihrer jüngsten Kreation auf die archaische Kraft des traditionellen Flamenco. Die bei ihrer Uraufführung in Bern in sechs ausverkauften Vorstellungen umjubelte Inszenierung ermöglicht aber eine Lesart, die aktueller ist denn je. Sie erzählt auch von Verfolgung und Heimatlosigkeit und macht gleichzeitig den Schmerz jener hörbar, die heute auf der Flucht sind (17. – 25. September 2016).

Die Bar im Stall, Theaterfoyer, stilvolle Kneipe und Kleinstspielstätte mit besonderem Flair in einem, wird auch im Sommer 2016 zum Anziehungspunkt für Theaterfreunde und Nachtschwärmer. Das Team um Bar-Chefin Kathrin Veith feiert gleich zwei Mal Eröffnung: Zuerst klassisch und stilvoll unter dem Motto „an der Bar mit Eric Satie“ mit argovia philharmonic und Chefdirigent Douglas Bostock, um dann mit Saus, Première, Tanzbein und Braus schwungvoll in die neue Saison zu starten. Dann geht es bis Ende Juni weiter mit einer Vernissage, Pedro Lenz, einem Kleidertausch-Nachmittag, einem DADA-Programm mit Walter Küng und Ulrich Poschner, einem Konzert und einer Party im Rahmen von cirqu’5 – kurz: für jeden etwas. Und am Maienzugvorabend bieten wir wieder eine Oase abseits des Altstadttrubels. Ein Hexensabbat, der traditionelle Nachtmarkt, ein Poetry Slam und vieles andere bereichern das Reithallen-Programm nach den Sommerferien. Die Bar im Stall wird nie so gross werden wie ihre Schwester, die Alte Reithalle. Aber gerade die Kleinen haben es doch faustdick hinter den Ohren...

Erfolgreiche Fusion zur Bühne Aarau

Die Mitglieder der Trägervereine des Theater Tuchlaube, der Theatergemeinde, vom Fabrikpalast sowie von FARA Freunde Alte Reithalle Aarau und ARTA Alte Reithalle Tuchlaube Aarau haben am 27. April 2020 der Fusion mit der neuen Trägerschaft ARTA zugestimmt.

Die Theaterleitung der Tuchlaube – Peter-Jakob Kelting und Barbara Stocker – und ihr Team verantworten ab der Spielzeit 20/21 das Programm der Bühne Aarau.

Das ganze Programm der Saison 20/21 ist ab sofort einsehbar auf der neuen Webseite der Bühne Aarau:

www.buehne-aarau.ch