„Das Konzept der Identität habe ich nie ganz begriffen. Ich weiss nicht, was die Leute meinen , wenn sie sagen, ich bin so und so.“ Sophie Hunger, Diplomatentochter und international gefeierte Schweizer Singer/Songwriterin, drückt in einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT (im Wortlaut hier) ein Lebensgefühl aus wie es für die Generation der 30jährigen selbstverständlich geworden ist: das Selbstverständnis der globalen Nomaden, für die das Spiel mit den wechselnden Masken des Ich zum Alltag gehört.

Nisrin Al-Zubaidy, Maturandin an der Alten Kanti Aarau, hat in ihrer Maturarbeit eine Welt erforscht, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnte: In ihrer Untersuchung „Ich bin Muslim“ über Fundamentalismus und Konversion zum Islam bei Jugendlichen (Zusammenfassung hier) stellt sie fest, dass die Hinwendung zur Religion, zumal zu einer Religion mit strikten Normen und Regeln, auch die Flucht vor der Uneindeutigkeit der unzähligen Identitätsangebote unserer Zeit sein kann. (Die gesamte Arbeit, für die sie den Basler Theologiepreis 2012 erhielt, finden Sie unter www.theologiestudium.ch)

Im Stück „ArabQueen“ (Textauszug hier), wird deutlich, dass diese ambivalente Bastlermentalität gegenüber der eigenen Identität durchaus nicht von allen gesellschaftlichen Schichten wahrgenommen werden kann. Die Hauptfigur Mariam betreibt ein Spiel mit ihrer muslimischen Herkunft im Spannungsverhältnis zur westlichen Kultur – allerdings nur so lange, bis ihre Eltern sie verheiraten wollen.

Das Spannungsfeld zwischen der Freiheit, die die Auflösung starrer gesellschaftlicher Verhältnisse mit sich gebracht hat, und der Sehnsucht nach Sicherheit, gehört zu den Kennzeichen unseres modernen Lebens in einer globalisierten Welt. Claudia Rademacher und Rolf Eickelpasch machen in ihrem Buch Identität (Auszüge hier) deutlich, wie sich unser Verhältnis zu unserem Selbst in den letzten 40 Jahren verändert hat: Das Individuum wird in der Spätmoderne zum Baumeister seiner selbst, der (...) seine eigene ‚Wahlbiografie’ und sein persönliches ‚Existenzdesign’ zusammenstellt.“

Prof. Roland Reichenbach, Ordinarius für Pädagogik an der Universität Basel und der Universität Zürich, macht in seinen sieben Thesen zur „Erziehung zum Guten“ deutlich, warum es angesichts der Vielfalt von Möglichkeiten existentiell wichtig ist, ein in sich schlüssiges Selbst zu entwickeln: „Wissen wer man ist = Wissen was wichtig ist“.

„Wissen wer man ist“: Dies ist auch einer der Hauptaspekte im Projekt „Lebendige Traditionen“, das im Rahmen der UNESCO Konvention zum immaterielle Kulturerbe vom Bundesamt für Kultur durchgeführt wurde: es ging und geht dabei um nicht weniger, als darum, eine Liste von ‚typisch’ schweizerischen Traditionen und Bräuchen zu erstellen, die gesamthaft die kulturelle Identität der Schweiz ausmachen sollen www.lebendige-traditionen.ch. Doch die viel diskutierte „Swissness“ stellt sich aus der Perspektive in unserer dynamischen, von Krisen geprägten Zeit als problematisch dar, wie im Porträt des Volkskundlers Walter Leimgruber deutlich wird.

Der kollektiven Angst vor Identitätsverlust steht der Selbstverlust des Einzelnen gegenüber. In seinem berührenden Text „Honegger – ein Panorama“ (Auszug hier), der die Grundlage bildet für den Theaterabend „Glück präsentiert: Honegger“, schildert der Basler Autor Gregor Brändli das Schicksal eines Mannes, der aufgrund seiner psychischen Erkrankung „aus der Welt fällt“.

„Du bist nicht wirklich aufgeschmissen, solange du eine Geschichte hast und jemanden, dem du sie erzählen kannst“: Unter diesem Motto steht das Leben von Danny Boodmann T.D. Lemon Novecento, der Hauptfigur von Alessandro Barriccos Stück „Novecento, Legende des Ozeanpianisten“. Die gleichermassen komische wie tragische Geschichte der Geburt des Findelkindes finden sie hier.

Erfolgreiche Fusion zur Bühne Aarau

Die Mitglieder der Trägervereine des Theater Tuchlaube, der Theatergemeinde, vom Fabrikpalast sowie von FARA Freunde Alte Reithalle Aarau und ARTA Alte Reithalle Tuchlaube Aarau haben am 27. April 2020 der Fusion mit der neuen Trägerschaft ARTA zugestimmt.

Die Theaterleitung der Tuchlaube – Peter-Jakob Kelting und Barbara Stocker – und ihr Team verantworten ab der Spielzeit 20/21 das Programm der Bühne Aarau.

Das ganze Programm der Saison 20/21 ist ab sofort einsehbar auf der neuen Webseite der Bühne Aarau:

www.buehne-aarau.ch