Balancen

Die Moral erlebt eine Renaissance. Weil sie fehlt, wie man sagt. Der Verlust der Werte – in Vorstandsetagen und in Schulzimmern, in Parlamenten, Künstlerateliers und Kirchgemeinden – ist in aller Munde. Aber stimmt der Befund überhaupt? Ist es nicht so, dass wir unseren Alltag nach ethischen Gesichtspunkten gestalten, ohne uns dessen bewusst zu sein? Wer würde nicht von sich behaupten, er sei ein guter Mensch? Dennoch: Etwas ist aus der Balance geraten. Welche Werte wo gelten sollen, darüber herrscht heillose Konfusion. Was im Leben wichtig ist – die Frage ist offener denn je.
Wie kann die vermeintliche „Unmoral“ der Finanzmärkte gebändigt werden? Kann man unseren Umgang mit den natürlichen Ressourcen des Planeten unter ethischen Gesichtspunkten beurteilen. Und wenn ja – welche Konsequenzen muss jede/r Einzelne daraus ziehen? Sind Werte eine Richtschnur in der Demokratie – oder geht es den politischen Akteuren in erster Linie um das zynische Prinzip des Machterhalts? Wie verhalten wir uns, wenn die Normen unterschiedlicher Religionen in der offenen demokratischen Gesellschaft miteinander kollidieren?
Nicht erst seit der Finanzkrise sind Werte in aller Munde und füllen die Zeitungsspalten. Offenbar gehört es zu den Begleiterscheinungen unserer Zeit, dass die moralische Verankerung unserer Gesellschaft sich nicht mehr von selbst versteht. Wir sind angehalten, sie den beschleunigten Veränderungsprozessen immer neu anzupassen und sie immer neu auszubalancieren.
Unter dem Titel „Balancen – ein Werteforum“ veranstaltet das Theater Tuchlaube Aarau einen Schwerpunkt zum Thema, in dem über eineinhalb Jahre hinweg das Thema untersucht werden soll, welche ethischen Grundlagen die globalisierte Gesellschaft am Beginn des 21. Jahrhunderts noch besitzt.
Im ersten Teil des Projektes, der den Spielplan von Februar bis Juni 2013 umfasst, wird unter dem Titel „Was im Leben wichtig ist“ untersucht, welche individuellen Werte Menschen ihrem Denken und Handeln zugrunde legen. Im Zentrum des künstlerischen Programms stehen Inszenierungen, die auf eine zugespitzte und pointierte Weise die Rolle ethischer Fragestellungen für ihr individuelles Handeln untersuchen. In Einführungen und Publikumsgesprächen, aber auch in übergreifenden Podiumsdiskussionen und Sonntagsmatineen in der Reihe „Theater Zmorge“ werden einzelne Aspekte des Spielplans vertieft.
Daneben führt das Theater Tuchlaube Aarau eine Befragung durch: Künstler und Zuschauer, aber auch „Menschen von der Strasse“, geben Auskunft zu der Frage, welcher Gegenstand, welche Person oder welches Ereignis ihnen persönlich „im Leben wichtig ist“. Die Ergebnisse der Befragung, die unter anderem in Zusammenarbeit mit der Schreibwerkstatt der Kantonsschule Baden durchgeführt wird, werden auf der Homepage des Theaters veröffentlicht. Ausserdem fliessen sie in die Arbeit des Jugendclubs am Theater Tuchlaube Aarau ein, der Ende Mai 2013 eine eigene Adaption des kontrovers diskutierten Jugendbuches „Nichts. Was im Leben wichtig ist“ von Janne Teller auf die Bühne bringt.
Im Herbst 2013 wird „Balancen – ein Werteforum“ fortgesetzt. Ausgehend von den individuellen Wertevorstellungen untersucht das Theater, welche sozialen „Werte-Welten“ unser gesellschaftliches Leben ausmachen. Wie lässt sich, so die Ausgangsfrage der Spielzeit 2013/14, die verloren gegangene Balance wieder herstellen?

Medienpartner:

Erfolgreiche Fusion zur Bühne Aarau

Die Mitglieder der Trägervereine des Theater Tuchlaube, der Theatergemeinde, vom Fabrikpalast sowie von FARA Freunde Alte Reithalle Aarau und ARTA Alte Reithalle Tuchlaube Aarau haben am 27. April 2020 der Fusion mit der neuen Trägerschaft ARTA zugestimmt.

Die Theaterleitung der Tuchlaube – Peter-Jakob Kelting und Barbara Stocker – und ihr Team verantworten ab der Spielzeit 20/21 das Programm der Bühne Aarau.

Das ganze Programm der Saison 20/21 ist ab sofort einsehbar auf der neuen Webseite der Bühne Aarau:

www.buehne-aarau.ch